Lockdown – wenig beachtete Folgen

Zu unserem Alltag als rechtliche Betreuer*innen gehört es, dass immer mal wieder Klient*innen eine komplette Erstausstattung für eine neue Wohnung benötigen. In der Regel sind die Betroffenen auf Unterstützung der Sozialhilfeträger angewiesen und bekommen dafür ca. 800 EUR zur Verfügung gestellt. Davon muss die Wohnung komplett eingerichtet werden. Also Bett, Schränke, Sitzmöbel, Waschmaschine, Kühlschrank, Küchenmöbel, Herd, Hausrat und und und…

Normalerweise wenden wir Betreuer*innen uns an die örtlichen Sozialkaufhäuser. Hier gibt es eine gute Auswahl preiswerter Möbel. Diese werden gegen einen kleinen Aufpreis geliefert und teilweise sogar gleich an die richtige Stelle gestellt. In der Zeit des Lockdown sind diese Sozialkaufhäuser aber geschlossen. Es gibt keinen Lieferservice. Niemand, der mal eben mit anpackt und Möbel in die Wohnung trägt oder Hausrat zusammenstellt.

Aktuell haben wir nun aber genau diesen Fall: Eine von uns betreute Person zieht zum 01.02.2021 nach längerem Heimaufenthalt in eine eigene barrierefreie Wohnung, auf die wir lange warten mußten.
Und jetzt? Selbst wenn wir die billigsten Möbel in Discountmärkten bestellen und liefern lassen, sind diese noch nicht aufgebaut. Selbst die billigsten Möbel aus den Discountmärkten sind wesentlich teurer als gebrauchte und die 800 EUR reichen längst nicht aus. Kleinanzeigenmärkte bieten normalerweise eine große Auswahl. Aber da braucht es wieder extra eine (zu bezahlende) Liefermöglichkeit.

Wir sind uns sicher, dass wir hier als Betreuer*innen trotzdem durch unsere langjährigen Netzwerke Lösungen finden.

Was ist aber mit Menschen, die ohne Betreuung, ohne Netzwerke und ohne finanzielle Rücklagen allein da stehen?
Aus diesem Grund ist es schon aus Solidarität den schwächsten und am wenigsten sichtbaren Menschen gegenüber notwendig, dass wir alle Verantwortung übernehmen und keine unnötigen Infektionsrisiken eingehen.